Anleitung: Fugen mit Sikaflex 11 FC abdichten – Schritt für Schritt
Kurz beantwortet: Sikaflex 11 FC ist ein 1-komponentiger PU-Kleb- und Dichtstoff für Fugen mit geringer bis mittlerer Bewegung – zulässige Gesamtbewegung 15 %. Die Fuge wird gereinigt, mit einer PE-Rundschnur hinterfüllt (Breite 10–35 mm, bei Bodenfugen Breite zu Dicke 1:1 bis 1:0,8), bei saugenden Untergründen grundiert, bei +5 °C bis +35 °C blasenfrei ausgespritzt und vor der Hautbildung mit Glättmittel und Abziehspachtel geglättet. Ausgehärtet wird der Dichtstoff durch Luftfeuchtigkeit – er ist danach elastisch und schleifbar.
Inhalt
Das brauchen Sie
Projektvorlage „Dehnungs- & Anschlussfugen an der Fassade“
Diese Anleitung führt Sie durch eine komplette Fugenabdichtung mit Sikaflex 11 FC Purform – von der Fugendimensionierung bis zur Kontrolle der fertigen Fuge. Typische Einsatzfälle sind Anschlussfugen Boden/Wand, Anschlussfugen an Türen, Naht- und Überlappungsfugen im Holz- und Metallbau, Dachdeckerarbeiten sowie Fugen auf Terrassen und Flachdächern. Alle Werte in dieser Anleitung stammen aus den Herstellerangaben der eingesetzten Produkte.
Einkaufsliste
Basis-Set (immer erforderlich)
Optional – je nach Einbausituation
- Soudal Primer 100 – bei porösen, saugenden oder feuchtebelasteten Fugenflanken (Beton, Putz, Mauerwerk, Naturstein). Wartezeit vor dem Verfugen: mindestens 60, höchstens 240 Minuten.
- Otto Glättmittel normal oder Glättmittel Spray – für eine glatte, glanzerhaltende Fugenoberfläche. Ausdrücklich auch für Polyurethan-Dichtstoffe geeignet. Nicht für Marmor und andere Natursteine.
- PE Rundschnur 5 m – die kleine Gebindegröße für einzelne Räume oder Reparaturen.
- Otto Cleaner F – zum Entfetten metallischer Untergründe (blank oder pulverbeschichtet) und zum Entfernen nicht ausgehärteter PU-Reste. Kein Ablüften erforderlich.
Werkzeug
- Cuttermesser zum Zuschneiden der Düse (45°-Schnitt, Breite = Fugenbreite)
- Fugenkratzer oder Stechbeitel zum Entfernen alter Fugenmassen
- Staubsauger und fusselfreie Tücher
- Abklebeband für saubere Fugenkanten
- Terpentinersatz zur Reinigung von Werkzeug und Verschmutzungen vor der Aushärtung
- Zollstock zur Kontrolle von Fugenbreite und Fugentiefe
Warum Hinterfüllen – und warum die Fugenmaße entscheiden
Ein elastischer Dichtstoff darf nur an zwei Fugenflanken haften. Klebt er zusätzlich am Fugengrund, entsteht die sogenannte 3-Flankenhaftung: Die Fuge kann sich nicht mehr frei dehnen, die Spannungen reißen das Material oder die Haftung auf. Die geschlossenzellige PE-Rundschnur trennt den Dichtstoff vom Fugengrund und begrenzt gleichzeitig die Fugentiefe. Sie ist nach DIN 18540 geschlossenzellig ausgeführt, nimmt also kein Wasser auf, und erfüllt das Brandverhalten B2 nach DIN 4102.
Sikaflex 11 FC nimmt eine zulässige Gesamtbewegung von 15 % auf. Die Fugenbreite sollte allgemein zwischen 10 und 35 mm liegen; bei Bodenfugen ist ein Breiten-/Dickenverhältnis von 1:1 bis 1:0,8 einzuhalten. Zu schmale oder zu tiefe Fugen sind die häufigste Ursache für spätere Risse – mehr dazu im Ratgeber Silikonfuge reißt immer wieder.
Schritt für Schritt
Fuge prüfen und alte Masse entfernen
Messen Sie Breite und Tiefe der Fuge. Liegt die Breite unter 10 mm oder über 35 mm, muss die Fuge konstruktiv angepasst werden – der Dichtstoff kann eine falsch dimensionierte Fuge nicht ausgleichen. Alte Dichtstoffreste vollständig mechanisch entfernen; eine Anleitung dazu finden Sie unter Altes Silikon rückstandsfrei entfernen.
Kontrolle: In der Fuge dürfen keine Reste alter Dichtstoffe mehr sichtbar sein – auf ihnen haftet kein PU-Dichtstoff.
Fugenflanken vorbereiten
Die Fugenflanken müssen tragfähig, fest, sauber und trocken sein – frei von Öl, Fett, losen Bestandteilen, Zementschlämme, Farben, Hydrophobierungsmitteln und Antigraffitibeschichtungen. Mineralische Flanken abkehren und aussaugen; metallische Untergründe mit Otto Cleaner F auf einem frischen, sauberen Tuch entfetten – bei pulverbeschichteten Profilen immer in Längsrichtung wischen, nicht kreisend.
Kontrolle: Wischtest mit einem weißen Tuch – es darf kein Staub- oder Fettfilm zurückbleiben.
PE-Rundschnur einbringen
Wählen Sie einen Schnurdurchmesser, der etwa 20–30 % größer ist als die Fugenbreite, damit die Schnur klemmt und nicht wandert. Verfügbar sind zehn Durchmesser von 6 bis 50 mm. Mit einem stumpfen Gegenstand – zum Beispiel dem Fugenglätter – gleichmäßig auf die gewünschte Tiefe eindrücken, ohne die Oberfläche zu perforieren. Wird die geschlossene Zellhaut verletzt, kann Luft entweichen und Blasen in der Fuge verursachen.
Kontrolle: Die Schnur liegt über die gesamte Länge in gleicher Tiefe und ist unbeschädigt.
Grundieren (nur bei porösen Untergründen)
Bei saugenden Fugenflanken wie Beton, Putz, Mauerwerk oder Naturstein und bei erhöhter Feuchtebelastung Soudal Primer 100 vollflächig mit dem Pinsel auftragen, bei stark saugendem Untergrund ein zweites Mal. Verarbeitungstemperatur +5 °C bis +25 °C. Der Primer ist lösemittelhaltig (Flammpunkt 24 °C) – gut lüften und von Zündquellen fernhalten.
Kontrolle: Wartezeit vor dem Verfugen mindestens 60 Minuten, höchstens 240 Minuten. Wird das Zeitfenster überschritten, muss neu grundiert werden.
Sikaflex 11 FC blasenfrei einspritzen
Düse schräg auf Fugenbreite zuschneiden, Kartusche in die Kartuschenpistole einsetzen und die Fuge in einem Zug ausspritzen – mit leichtem Vorschub, sodass das Material vor der Düse aufstaut und die Flanken sicher benetzt. Verarbeitungstemperatur: +5 °C bis +35 °C. Möglich ist auch die Verarbeitung mit Druckluft- oder Akkupistole.
Kontrolle: Die Fuge ist durchgehend gefüllt, ohne Lufteinschlüsse und ohne Unterbrechungen. Absetzen und neu ansetzen erzeugt Fehlstellen.
Vor der Hautbildung glätten
Geglättet wird mit Glättmittel und Abziehspachtel – und zwar vor Beginn der Hautbildung. Otto Glättmittel normal satt auf Fuge und Spachtel aufsprühen, in einem Zug abziehen, überstehendes Material sofort entfernen. Das Glättmittel ist mit Wasser im Verhältnis 2 Teile Glättmittel zu 1 Teil Wasser verdünnbar, erhält den Glanz der Oberfläche und wäscht keine Farbpigmente aus. Verarbeitungstemperatur +5 °C bis +35 °C. Nicht auf Marmor und anderen Natursteinen einsetzen – dafür gibt es das Naturstein-Glättmittel. Technikdetails zur Zugtechnik im Ratgeber Silikonfuge perfekt glätten.
Kontrolle: Die Oberfläche ist gleichmäßig konkav und ohne Absatz. Zieht die Fuge Fäden oder wird sie stumpf, ist die Hautbildung bereits eingetreten – dann nicht mehr nacharbeiten.
Reinigen und aushärten lassen
Abklebeband sofort nach dem Glätten abziehen. Verschmutzungen und Werkzeuge vor der Aushärtung mit Terpentinersatz reinigen – danach lässt sich das Material nur noch mit Silikonentferner beziehungsweise mechanisch entfernen. Sikaflex 11 FC härtet durch Reaktion mit Luftfeuchtigkeit aus; die Fuge daher während der Aushärtung nicht abdecken und nicht belasten.
Kontrolle: Nach vollständiger Durchhärtung ist die Fuge elastisch und schleifbar. Ein leichter Fingerdruck darf keine bleibende Delle hinterlassen.
Zeiten und Grenzwerte auf einen Blick
| Arbeitsschritt | Wert laut Herstellerangabe | Kontrolle |
|---|---|---|
| Verarbeitungstemperatur Sikaflex 11 FC | +5 °C bis +35 °C | Untergrund- und Lufttemperatur messen, nicht nur die Außentemperatur schätzen |
| Fugenbreite | allgemein 10–35 mm | Zollstock; Bodenfugen zusätzlich Breite:Dicke = 1:1 bis 1:0,8 |
| Zulässige Gesamtbewegung | 15 % | Bei größerer Bewegung anderes Produkt wählen |
| Primer 100: Ablüften vor dem Verfugen | min. 60, max. 240 Minuten | Uhrzeit notieren; nach 240 Minuten neu grundieren |
| Primer 100: Verarbeitungstemperatur | +5 °C bis +25 °C | Thermometer am Untergrund |
| Glätten | vor Beginn der Hautbildung | Spachtel zieht sauber ab, kein Fadenzug |
| Reinigung frischer Reste | vor Aushärtung mit Terpentinersatz | Danach nur noch Silikonentferner oder mechanisch |
| Durchhärtung | Feuchtigkeitsvernetzend – konkrete Zeit dem technischen Merkblatt bzw. Kartuschenaufdruck entnehmen | Fuge elastisch und schleifbar, kein Materialabdruck bei Fingerdruck |
| Lagerung der Kartusche | 12 Monate ab Herstelldatum bei +10 °C bis +25 °C, kühl und trocken | Herstelldatum auf dem Gebinde prüfen |
Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- Ohne Hinterfüllung gearbeitet. Der Dichtstoff haftet am Fugengrund, die Fuge reißt bei der ersten Bewegung. Immer eine PE-Rundschnur einlegen.
- Rundschnur perforiert. Ein spitzes Werkzeug zerstört die geschlossene Zellstruktur, austretende Luft erzeugt Blasen. Stumpf eindrücken.
- Zu schmale Fuge. Unter 10 mm kann die zulässige Bewegung von 15 % rechnerisch nicht aufgenommen werden.
- Primer vergessen oder Zeitfenster verpasst. Auf saugendem Beton oder Putz reduziert das die Haftung deutlich. Nach 240 Minuten neu grundieren.
- Zu spät geglättet. Nach der Hautbildung reißt der Spachtel die Oberfläche auf. Immer abschnittsweise arbeiten: ausspritzen, sofort glätten, weiter.
- Glättmittel auf Naturstein. Otto Glättmittel normal ist nicht für Marmor und andere Natursteine geeignet – siehe Flecken auf Naturstein durch falsches Silikon.
- Bei Frost verarbeitet. Unter +5 °C sind Verarbeitung und Vernetzung nicht sichergestellt.
Häufige Fragen
Kann ich Sikaflex 11 FC überstreichen?
Sikaflex 11 FC ist schleifbar und wird häufig im Bereich überstreichbarer Anschlüsse eingesetzt. Ob eine konkrete Beschichtung verträglich ist, muss immer an einer Probefläche geprüft werden – elastische Dichtstoffe arbeiten, starre Anstriche reißen. Wenn eine dauerhaft überstreichbare Lösung gefragt ist, lohnt der Vergleich im Ratgeber Silikon oder Acryl – was wofür?
Welche Farbe soll ich wählen?
Sikaflex 11 FC ist in uniweiß, betongrau und schwarz erhältlich. Betongrau ist der Standard für Beton- und Estrichanschlüsse, schwarz für Metall- und Dachanschlüsse, uniweiß für helle Innenausbauten.
Brauche ich immer einen Primer?
Nein. Sikaflex 11 FC hat eine ausgezeichnete Haftung an den üblichen Baustoffen. Ein Haftgrund wie Soudal Primer 100 ist vor allem bei porösen, saugenden Untergründen und bei erhöhter Feuchtebelastung der Fugenflanken sinnvoll.
Wie viele Kartuschen brauche ich?
Der Verbrauch ergibt sich aus Fugenbreite mal Fugentiefe mal Länge. Die Rechenwege und eine Tabelle finden Sie unter Silikon-Verbrauch richtig berechnen und in der Verbrauchstabelle.
Sikaflex 11 FC oder ein Hybrid-Dichtstoff?
Beides sind elastische Kleb- und Dichtstoffe mit unterschiedlichen Stärken. Die direkte Gegenüberstellung finden Sie im Ratgeber Sikaflex 11 FC oder Fix All Flexi. Weitere Produkte zeigt die Kategorie Dichtstoffe.
Darf ich die Fuge nach dem Aushärten nachbessern?
Nachträglich aufgetragenes Material haftet nur bedingt auf der ausgehärteten Oberfläche. Besser ist es, den betroffenen Abschnitt sauber herauszuschneiden, die Flanken wie in Schritt 2 vorzubereiten und neu zu verfugen.
Fragen zur Fugenplanung? Wir beraten Sie gern: Baustoffheld, Lindenstrasse 56, 47623 Kevelaer, Telefon +49 (0) 2831 - 916 77 03.
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