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Ottoseal S70 oder S80: welches Natursteinsilikon wofür

Vergleich 10 min Lesezeit Fachredaktion Baustoff-Held · geprüft am

Ottoseal S70 oder S80 – welches Natursteinsilikon wofür
Bild: © Hermann Otto GmbH
Auf einen Blick

Kurz beantwortet: Beide sind natursteinverträglich, beide verursachen keine Randzonenverschmutzung, beide sind fungizid ausgerüstet und in matten Farbtönen erhältlich. Der praktische Unterschied liegt im Geruch: S 80 ist geruchsarm und damit die Wahl für bewohnte oder genutzte Räume – Wohnungen, Hotels, Gastronomie, Objekte, in denen während der Arbeiten Menschen anwesend sind. S 70 ist das Premium-Natursteinsilikon mit dem breiteren Normenprofil und den größeren Gebindeformaten, die erste Wahl im Außenbereich und bei größeren Flächen. Wo Geruch keine Rolle spielt, greifen Sie zu S 70; wo er stört, zu S 80.

Inhalt
  1. Warum Naturstein ein eigenes Silikon braucht
  2. Die beiden im direkten Vergleich
  3. Das Normenprofil von S 70
  4. Wann welches Produkt
  5. Verarbeitung: worauf es bei Naturstein zusätzlich ankommt
  6. Der Farbton
  7. Welche Steine kritisch sind
  8. Was die beiden nicht können
  9. Verbrauch berechnen
  10. Häufige Fragen

Das brauchen Sie

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Warum Naturstein ein eigenes Silikon braucht

Ein normales Sanitärsilikon an einer Marmorplatte ist einer der teuersten Fehler im Innenausbau. Der Grund heißt Randzonenverschmutzung.

Klassische Silikone enthalten Bestandteile, die nicht dauerhaft im Material gebunden bleiben – Weichmacher und niedermolekulare Anteile. Auf einer glasierten Fliese ist das folgenlos: Die Oberfläche ist geschlossen, es kann nichts eindringen. Naturstein dagegen ist porös. Marmor, Kalkstein, Sandstein, viele Granite und praktisch alle Agglomarmore nehmen diese Bestandteile auf.

Das Ergebnis sind dunkle, fettig wirkende Ränder, die sich links und rechts von der Fuge in den Stein hineinziehen. Sie treten nicht sofort auf, sondern über Wochen und Monate, sie werden mit der Zeit breiter, und sie lassen sich nicht mehr entfernen. Kein Reiniger holt sie heraus, weil die Verschmutzung nicht auf, sondern im Stein sitzt. Was bleibt, ist Abschleifen und Neupolieren der Fläche – bei einer Fensterbank ärgerlich, bei einer Küchenarbeitsplatte oder einer Treppenanlage richtig teuer.

Ein Natursteinsilikon ist so formuliert, dass diese Wanderung nicht stattfindet. Genau das ist sein Zweck, und genau dafür zahlt man den Aufpreis.

Wichtig: „Sanitärsilikon" und „Natursteinsilikon" sind keine Marketingvarianten desselben Produkts, sondern verschiedene Formulierungen. Ein Produkt ohne ausdrückliche Natursteinfreigabe gehört nicht an Naturstein – auch nicht „nur diese eine Fuge".

Die beiden im direkten Vergleich

Ottoseal S 70Ottoseal S 80
EinordnungPremium-Natursteinsilikongeruchsarmes Natursteinsilikon
Natursteinverträglichjaja
Randzonenverschmutzungneinnein
Geruch bei der Verarbeitungnormalgeruchsarm
Fungizid ausgerüstetjaja
Farbtönemattmatt
Witterung, Alterung, UVsehr gutsehr gut
Innenjaja
Außenjaja
Gebinde310 ml und 400 ml, auch als Mattvariante310 ml

Die Tabelle zeigt, warum die Frage so oft gestellt wird: Auf dem Papier sind die beiden Produkte weitgehend deckungsgleich. Beide dichten Marmor und Naturstein ab, ohne ihn zu verfärben, beide halten draußen, beide sind gegen Schimmelbewuchs ausgerüstet.

Das Normenprofil von S 70

Wer für ein Objekt ausschreibt oder einen Nachweis braucht, findet beim S 70 ein breites Prüfprofil nach EN 15651, der europäischen Norm für Fugendichtstoffe im Hochbau:

TeilAnwendungsbereichEinstufung S 70
Teil 1FassadenelementeF EXT-INT 25 LM bzw. F EXT-INT CC 20 LM
Teil 3SanitärbereichXS 1
Teil 4Fugen in Geh- und VerkehrsflächenPW EXT-INT 25 LM (nur matte Farbtöne)

Zwei Angaben in dieser Tabelle sind in der Praxis wichtig:

„LM" steht für „low modulus", also niedriger Modul. Solche Dichtstoffe nehmen Bewegung mit geringer Rückstellkraft auf. Das ist bei Naturstein entscheidend: Eine harte Fuge zieht bei Bewegung an den Fugenflanken und kann bei weichem Stein Kanten ausbrechen.

Die Einschränkung bei Teil 4 ist kein Kleingedrucktes, sondern eine echte Weichenstellung. Die Einstufung PW EXT-INT 25 LM für Geh- und Verkehrsflächen gilt nur für die matten Farbtöne; die übrigen erreichen PW INT 12,5 E. Wenn Sie eine Fuge in einer begangenen Fläche abdichten – Treppen, Podeste, Bodenanschlüsse –, kommt es also auf den konkreten Farbton an, nicht nur auf das Produkt.

Wann welches Produkt

S 80 nehmen, wenn Geruch ein Thema ist

Das ist häufiger der Fall, als man denkt. Typische Situationen:

Die bewohnte Wohnung, in der das Bad renoviert wird und die Bewohner abends zurückkommen. Das Hotel, in dem einzelne Zimmer im laufenden Betrieb überholt werden. Die Gastronomie, wo Fugen an Natursteintheken und -böden nachts gezogen werden und morgens der Betrieb weiterläuft. Der Innenausbau in Büros und Praxen, in denen nebenan gearbeitet wird.

Auch für Sie selbst spielt es eine Rolle: Wer einen Tag lang in einem kleinen, schlecht belüfteten Bad Fugen zieht, merkt den Unterschied deutlich.

S 70 nehmen, wenn es nach draußen geht oder viel wird

Im Außenbereich, an Fassadenanschlüssen, an Natursteinsockeln, an Terrassen- und Balkonanschlüssen ist S 70 das Produkt mit dem breiteren nachgewiesenen Profil.

Dazu kommt ein sehr praktischer Punkt: Es gibt es auch im 400-ml-Gebinde. Bei größeren Fugenlängen bedeutet das weniger Kartuschenwechsel, weniger Ansatzstellen und weniger Verschnitt – auf einer Baustelle mit hundert Metern Fuge ist das keine Kleinigkeit.

Und wenn beides zutrifft?

Bewohnter Innenraum und gleichzeitig große Fugenlänge – dann entscheidet, was schwerer wiegt. Als Faustregel: Sobald Menschen den Raum während oder unmittelbar nach den Arbeiten nutzen, gewinnt S 80. Die Zeitersparnis durch das größere Gebinde ist schnell wieder aufgezehrt, wenn ein Raum einen Tag länger nicht nutzbar ist.

Verarbeitung: worauf es bei Naturstein zusätzlich ankommt

Das richtige Produkt ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist die Verarbeitung, und bei Naturstein gibt es ein paar Punkte, die über den Standard hinausgehen.

Glättmittel prüfen

Das übliche Spülmittel-Wasser-Gemisch hat an Naturstein nichts verloren. Tenside können in den offenporigen Stein einziehen und dort hellere oder dunklere Schatten hinterlassen – ausgerechnet entlang der frisch gezogenen Fuge. Verwenden Sie ein Glättmittel, das ausdrücklich für Naturstein freigegeben ist, und sparsam.

Abkleben und sofort abziehen

Auf poliertem Stein sind Silikonschlieren mühsam zu entfernen. Kleben Sie beide Fugenflanken sauber ab und ziehen Sie das Band sofort nach dem Glätten ab, solange das Silikon noch nicht angehäutet ist – schräg nach außen weg, nicht nach oben.

Dreiflankenhaftung vermeiden

Die Fuge darf nur an zwei Flanken haften, nicht am Fugengrund. Sonst reißt sie bei der ersten Bewegung. Dafür sorgt eine Hinterfüllschnur aus geschlossenzelligem PE-Schaum. Die richtigen Maße stehen in der Anleitung zu Fugenbreite und Fugentiefe.

Bei kritischen Steinen vorher testen

Sehr saugfähige und helle Steine – manche Kalksteine, Sandsteine, heller Marmor – reagieren empfindlicher als andere. Eine Probefuge an einem Reststück oder an verdeckter Stelle, mindestens eine Woche stehen gelassen, kostet wenig und beantwortet die Frage endgültig.

Die allgemeinen Regeln zum sauberen Fugenziehen – Untergrund, Anschnitt, Auspresswinkel, Glätten in einem Zug – gelten unverändert und stehen in der Anleitung zum Verarbeiten von Silikon.

Der Farbton

Beide Produkte gibt es in matten Farbtönen, und das ist kein Zufall. Naturstein ist – abgesehen von poliertem Marmor und Granit – überwiegend matt. Eine glänzende Silikonfuge neben einer matten Steinoberfläche fällt sofort auf, weil sie das Licht anders zurückwirft als alles um sie herum. Bei matten Fugen verschwindet dieser Effekt.

Für die Farbwahl selbst gilt dasselbe wie bei jeder anderen Silikonfuge: Der Fugenmörtel ist die Referenz, nicht die Steinfarbe, und beurteilt wird erst nach dem Durchhärten. Wie Sie systematisch zum richtigen Ton kommen, steht im Beitrag zu den Silikon-Farben.

Ein Hinweis speziell zu S 70: Wenn die Fuge in einer begangenen Fläche liegt, entscheidet der Farbton mit über die normative Einstufung – dort ist die matte Ausführung die richtige Wahl.

Welche Steine kritisch sind

Nicht jeder Stein reagiert gleich empfindlich. Grob gilt: Je heller und je saugfähiger, desto größer das Risiko.

SteinRisiko RandzonenverschmutzungHinweis
Marmor, hellsehr hochder klassische Schadensfall
Kalkstein, Jurasehr hochsaugfähig und hell
Travertinhochoffenporig, auch gespachtelt noch saugend
Sandsteinhochstark saugend
Agglomarmor, KunstmarmorhochBindemittel reagiert zusätzlich empfindlich
Granit, poliertmitteldichter, aber nicht dicht
Schiefermitteldunkel, Verfärbung fällt weniger auf
QuarzkompositmittelHerstellerangaben beachten, Kunstharzanteil
Keramik, Feinsteinzeuggeringgeschlossene Oberfläche

„Gering" heißt nicht „egal": Auch bei poliertem Granit und dunklem Schiefer ist ein Natursteinsilikon die sichere Wahl, weil die Politur die Poren nicht vollständig schließt und weil an Schnittkanten immer offene Flächen entstehen.

Ein Sonderfall sind bereits imprägnierte Steine. Eine Fleckschutz-Imprägnierung verringert das Risiko, ersetzt aber nicht das richtige Produkt – sie lässt in der Fugenflanke nach und wird beim Reinigen abgetragen. Die Entscheidung für das Natursteinsilikon fällt unabhängig davon.

Was die beiden nicht können

Ein Natursteinsilikon ist ein Fugendichtstoff, kein Alleskönner. Vier Abgrenzungen, die in der Praxis regelmäßig übersehen werden:

Kein Konstruktionsklebstoff

Silikon dichtet ab und nimmt Bewegung auf, es trägt keine Lasten. Eine Natursteinplatte an die Wand zu kleben, ist damit nicht möglich – dafür gibt es Kleber, die auf Naturstein abgestimmt sind.

Kein Ersatz für eine geplante Bewegungsfuge

Wo Bauteile arbeiten, muss die Fuge in Lage und Breite geplant sein. Ein elastischer Dichtstoff in einer zu schmalen Fuge reißt trotzdem – nur eben nach zwei Jahren statt nach zwei Monaten.

Nicht überstreichbar

Wie alle Silikone nehmen S 70 und S 80 keine Farbe an. Wo überstrichen werden muss – etwa an Anschlüssen zu gestrichenen Bauteilen –, kommt ein anderer Dichtstoff infrage, der dann aber natursteinverträglich sein muss.

Nicht auf allen Kunststoffen

Auf PE, PP und PTFE haftet praktisch kein Dichtstoff. Wo eine Natursteinfuge an solche Bauteile stößt, muss die Haftung vorher geklärt werden – notfalls mit einer Probe an einem Reststück.

Verbrauch berechnen

Die Rechnung ist einfach und verhindert den Ärger, mitten in einer Fuge ohne Material dazustehen:

Fugenbreite (mm) × Fugentiefe (mm) = Verbrauch in Milliliter je laufendem Meter.

Fugeje lfd. Meter310-ml-Kartusche reicht für400-ml-Gebinde reicht für
6 × 6 mm36 mlca. 8,6 mca. 11,1 m
8 × 8 mm64 mlca. 4,8 mca. 6,3 m
10 × 10 mm100 mlca. 3,1 mca. 4,0 m
15 × 10 mm150 mlca. 2,1 mca. 2,7 m

Rechnen Sie 10 bis 15 Prozent Zuschlag für Verschnitt, Anfahrverluste und die Reste in der Kartusche. Und beachten Sie: Bei breiten Fugen wird die Tiefe nicht gleich der Breite ausgeführt, sondern flacher – die konkreten Maße stehen in der verlinkten Anleitung zu Fugenbreite und Fugentiefe.

Hier zeigt sich der praktische Wert des 400-ml-Gebindes beim S 70: Bei einer 8 × 8 mm starken Fuge deckt eine Einheit gut anderthalb Meter mehr ab. Auf einer Baustelle mit vielen laufenden Metern spart das eine merkliche Zahl an Wechseln – und jeder vermiedene Wechsel ist eine vermiedene Ansatzstelle.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Ottoseal S 70 und S 80?

Beide sind natursteinverträglich, verursachen keine Randzonenverschmutzung, sind fungizid ausgerüstet und in matten Farben erhältlich. S 80 ist zusätzlich geruchsarm und damit für bewohnte Räume die angenehmere Wahl. S 70 ist das Premium-Produkt mit dem breiteren Prüfprofil nach EN 15651 und zusätzlich im 400-ml-Gebinde erhältlich.

Kann ich normales Sanitärsilikon an Naturstein verwenden?

Nein. Weichmacher und niedermolekulare Anteile wandern in den porösen Stein und erzeugen dunkle Ränder entlang der Fuge. Die Verschmutzung sitzt im Stein, nicht darauf, und lässt sich nur durch Abschleifen und Neupolieren beseitigen.

Welches Silikon nehme ich für Marmor?

Ein ausgewiesenes Natursteinsilikon – S 70 oder S 80. Marmor gehört zu den empfindlichsten Steinen überhaupt, was Randzonenverschmutzung angeht. Bei sehr hellem Marmor lohnt sich zusätzlich eine Probefuge an einem Reststück.

Sind S 70 und S 80 auch für den Außenbereich geeignet?

Beide sind witterungs-, alterungs- und UV-beständig und für innen wie außen ausgewiesen. Für Fassaden- und Bodenanschlüsse mit Normnachweis ist S 70 das Produkt mit dem breiteren Prüfprofil.

Was bedeutet Randzonenverschmutzung genau?

Die Verfärbung, die entsteht, wenn Bestandteile aus dem Dichtstoff in den angrenzenden porösen Stein wandern. Sichtbar wird sie als dunkler, fettig wirkender Streifen beiderseits der Fuge, der über Wochen breiter wird. Sie ist irreversibel.

Kann ich mit S 70 oder S 80 auch normale Fliesen verfugen?

Technisch ja – ein Natursteinsilikon funktioniert auch an Keramik. Wirtschaftlich meist nicht sinnvoll, weil ein normales Sanitärsilikon dort dasselbe leistet und günstiger ist. Wo Naturstein und Keramik aneinandergrenzen, nehmen Sie durchgehend das Natursteinprodukt.

Warum sind Natursteinsilikone matt?

Weil Naturstein überwiegend matt ist. Eine glänzende Fuge neben einer matten Fläche reflektiert anders und fällt dadurch auf. Bei S 70 hat der matte Farbton zusätzlich normative Bedeutung: Nur die matten Töne erreichen die Einstufung für Geh- und Verkehrsflächen.

Wie lange hält eine Natursteinfuge?

Bei sauberer Verarbeitung – richtige Fugenmaße, Hinterfüllschnur, kein Dreiflankenkontakt – sind fünf bis zehn Jahre im Innenbereich realistisch. Im Außenbereich und in stark beanspruchten Flächen eher am unteren Ende dieser Spanne. Zur Pflege und Reinigung gibt es einen eigenen Beitrag zum Reinigen von Silikonfugen.

Was heißt „LM" in der Normbezeichnung?

„Low modulus", also niedriger Modul: Der Dichtstoff nimmt Bewegung mit geringer Rückstellkraft auf und zieht dadurch weniger an den Fugenflanken. Bei weichen und bruchempfindlichen Steinen ist das wichtig, weil eine harte Fuge Kanten ausbrechen lassen kann.

Wie viele Kartuschen brauche ich?

Fugenbreite in mm mal Fugentiefe in mm ergibt den Verbrauch in Millilitern je laufendem Meter. Eine 8 × 8 mm starke Fuge braucht 64 ml pro Meter, eine 310-ml-Kartusche reicht also für knapp 5 Meter, das 400-ml-Gebinde für gut 6. Rechnen Sie 10 bis 15 Prozent Zuschlag dazu.

Brauche ich auf Naturstein einen Primer?

Bei stark saugenden und offenporigen Steinen kann eine Grundierung die Haftung deutlich verbessern. Ob und welche, hängt von Stein und Produkt ab – das steht im technischen Merkblatt. Wo Sie unsicher sind, entscheidet eine Haftprobe an einem Reststück, das Sie eine Woche stehen lassen und dann abziehen.

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